Eröffnungsrede zu Wanderausstellung in Haßloch

Liebe Gäste, sehr geehrte Damen und Herren,

es ist mir eine große Freude Sie am heutigen Tag zur Eröffnung der Ausstellung „Deutsche aus Russland. Geschichte und Gegenwart“ einerseits in meiner Funktion als Erster Beigeordneter der Gemeinde Haßloch und andererseits in meiner Funktion als Landesvorsitzender des Bundes der Vertriebenen, zu dem ja auch die Landsmannschaft der Deutschen auf Russland gehört, begrüßen zu dürfen.

Ich hatte Gelegenheit die Ausstellung bereits andernorts zu begutachten und möchte den Verantwortlichen für die Erarbeitung und Zusammenstellung dieser Ausstellung gratulieren. Ihnen und Ihren Mitstreitern wünsche ich, dass viele Bürgerinnen und Bürger, vor allem auch junge Menschen in den Schulen und an den Universitäten, diese Ausstellung besuchen.

Schon in Tafel 2, die den Schicksalsweg der Russlanddeutschen zum Inhalt hat, wird die historische Dimension deutlich, die dem Entstehen und dem Werdegang der Deutschen aus Russland zu Grunde liegt:

Auf Einladung der russischen Zarin Katharina, die bekanntlich selbst Deutsche war, wandern Deutsche nach Russland aus und bescheren den neu besiedelten Gebieten wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung. Spätestens mit der Oktoberrevolution 1917 beginnt ein Zeitalter der Unterdrückung und Repression, gefolgt von Deportation und Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg. Der Niedergang des Realsozialismus eröffnet neue Möglichkeiten und bietet Gelegenheit zur Ausreise in die Bundesrepublik.

Insgesamt gehen die offiziellen Statistiken des Bundesinnenministeriums für die Zeit von 1950 bis 2012 von insgesamt 2,35 Millionen Aussiedlern und Spätaussiedlern aus der ehemaligen UdSSR aus. Geht man davon aus, dass die meisten von ihnen in Deutschland Familien gegründet haben, so liegt die Zahl derer, die man der Volksgruppe der Deutschen aus Russland zuordnen kann, wohl noch erheblich höher.

Die Deutschen aus Russland haben in den vergangenen Dekaden mit großem Fleiß an der Fortentwicklung unserer Bundesrepublik gearbeitet. Gemeinsam können wir dankbar sein für das Erreicht und stolz sein auf den erarbeiteten Wohlstand und unsere freie, weltoffenen Gesellschaft.

Mit Ihren Leistungen sind die Deutschen aus Russland ein wichtiger Bestandteil unseres Landes. Ihre Geschichte bereichert unser Land. Ihre historischen Erfahrungen in den Zeiten des Marxismus-Leninismus, ihre Unterdrückung und Unfreiheit, sind uns Mahnung und Ansporn zugleich, nicht nur Rechts- sondern auch Linksextremismus mit allen Mitteln des Rechtsstaats zu bekämpfen.

Mit großer Besorgnis beobachtet der Landesverband des Bundes der Vertriebenen daher die Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag von Karl Marx – mit Denkmaleinweihung – in Trier. Die Verantwortlichen in Trier und Mainz haben aus der Geschichte ganz offensichtlich nichts gelernt.

Eine nähere Betrachtung lohnt sich gleich in zweierlei Hinsicht: Viele Aussagen Marx‘ sind menschenverachtend und verurteilungswürdig. Wer politische, zeitgenössische Mitdenker, wie Ferdinand Lassalle, als „Jüdischen Nigger“[1] bezeichnet oder Völkern Osteuropas das Existenzrecht abspricht (Völkerabfall)[2], sollte kein Denkmal erhalten. Wer sich heute in ähnlicher Form äußern würde, würde zurecht in der Öffentlichkeit auf Schärfste gebrandmarkt.

Andererseits gilt der Blick der Umsetzung marxistischer Theorie in der realsozialistischen Praxis: Der Bund der Vertriebenen bedauert, dass bei all den Feierlichkeiten in Trier viel zu wenig über die historischen Ergebnisse der Marxschen Theorien gesprochen wird. Die millionenfache Vertreibung unserer Vorfahren aus den ehemaligen Siedlungsgebieten ist eine Folge der fanatischen Umsetzung der marxistischen Lehre und hat unendliches Leid über Millionen von Familien gebracht. Wir fordern hier seitens der Verantwortlichen in Trier und Mainz eine angemessene, kritische Berücksichtigung der Vertriebenenschicksale.

Tobias Meyer

Landesvorsitzender des Bundes der Vertriebenen in Rheinland-Pfalz

[1] „Der jüdische Nigger Lassalle, der glücklicherweise Ende dieser Woche abreist, hat glücklich wieder 5000 Taler in einer falschen Spekulation verloren… Es ist mir jetzt völlig klar, daß er, wie auch seine Kopfbildung und sein Haarwuchs beweist, von den Negern abstammt, die sich dem Zug des Moses aus Ägypten anschlossen (wenn nicht seine Mutter oder Großmutter von väterlicher Seite sich mit einem Nigger kreuzten).“ Marx an Engels, 1862 (MEW 30, 257)

[2] „Die Zeit des Panslawismus war im 8. und 9. Jahrhundert, als die Südslawen noch ganz Ungarn und Ostreich innehatten und Byzanz bedrohten. […] Es ist kein Land in Europa, das nicht in irgendeinem Winkel eine oder mehrere Völkerruinen besitzt, Überbleibsel einer früheren Bewohnerschaft, zurückgedrängt und unterjocht von der Nation, welche später Trägerin der geschichtlichen Entwicklung wurde. Diese Reste einer von dem Gang der Geschichte, wie Hegel sagt, unbarmherzig zertretenen Nation, diese Völkerabfälle werden jedesmal und bleiben bis zu ihrer gänzlichen Vertilgung oder Entnationalisierung die fanatischen Träger der Kontrerevolution, wie ihre ganze Existenz überhaupt schon ein Protest gegen eine große geschichtliche Revolution ist.“(Karl Marx – Friedrich Engels – Werke, Band 6, S. 165-173)