{"id":152,"date":"2019-08-03T19:59:43","date_gmt":"2019-08-03T17:59:43","guid":{"rendered":"http:\/\/bdv-rheinland-pfalz.de\/?p=152"},"modified":"2019-08-30T18:00:44","modified_gmt":"2019-08-30T16:00:44","slug":"fenster-und-tueren-auf-beim-bdv","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/bdv-rheinland-pfalz.de\/?p=152","title":{"rendered":"Fenster und T\u00fcren auf beim BdV!"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/bdv-rheinland-pfalz.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/AUS1453-680x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-132\" width=\"337\" height=\"507\" srcset=\"http:\/\/bdv-rheinland-pfalz.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/AUS1453-680x1024.jpg 680w, http:\/\/bdv-rheinland-pfalz.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/AUS1453-199x300.jpg 199w, http:\/\/bdv-rheinland-pfalz.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/AUS1453-768x1156.jpg 768w, http:\/\/bdv-rheinland-pfalz.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/AUS1453-1200x1807.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 337px) 100vw, 337px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Im Jahr 1997 hielt der damalige Bundespr\u00e4sident Herzog seine ber\u00fchmte \u201eRuckrede\u201c, in der er der deutschen Gesellschaft Mutlosigkeit und ein Gef\u00fchl der L\u00e4hmung attestierte. Er sprach von einer Erstarrung der Gesellschaft und bescheinigte eine mentale Depression der Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p> \u00c4hnlich erlebe ich, was ich seit meiner Wahl zum Landesvorsitzenden des Bundes der Vertriebenen in Rheinland-Pfalz auf unterschiedlichen Ebenen innerhalb des Verbandes wahrnehme. Ausdr\u00fccklich loben m\u00f6chte ich die Gedanken unseres Bundesvorsitzenden, Dr. Fabritius, der ja selbst zur j\u00fcngeren Generation im BdV z\u00e4hlt und \u201eQuerdenken\u201c und \u201eQuerdenker\u201c nicht scheut. Mit meinen 40 Lebensjahren bin ich &#8211; mit einigen wenigen Ausnahmen &#8211; ganz offensichtlich ein Exot im Kreis der Vorsitzenden der Landesverb\u00e4nde und Landsmannschaften.<\/p>\n\n\n\n<p> Hinter den Kulissen und in internen Runden wird viel gejammert. Vor allem von denen, die bereits \u00e4lter sind, die Strukturen des BdV schon seit Jahrzehnten kennen und sch\u00e4tzen gelernt haben. Vorgetragen werden der Mangel an jungen Engagierten, das Aussterben der \u00e4lteren Aktiven, das Fehlen von Nachfolgern, um nur einige wenige Aspekte zu nennen. Von j\u00fcngeren Vertretern h\u00f6rt man dagegen andere bedenkenswerte Gr\u00fcnde f\u00fcr die partielle L\u00e4hmung des Verbandes.  Ein angestaubtes Image \u2013 wie man neudeutsch sagt \u2013, gepaart mit vagen Zielen des Verbands und einer \u00dcberalterung in den F\u00fchrungsgremien werden zurecht angef\u00fchrt. Hinzu kommen fragw\u00fcrdige Positionierungen ehemaliger K\u00f6pfe des Bundes.<\/p>\n\n\n\n<p> Ich stelle fest, dass sich der Bund der Vertriebenen in einem Spannungsfeld von Wirkung und Nebenwirkung befindet, dessen Durchbrechen der Quadratur des Kreises gleicht: Es muss uns als Vertriebenenverband gelingen unter Einbeziehung aller handelnder Akteure Antworten auf die Fragen der Zukunft zu finden. Auch die alteingesessenen Funktion\u00e4re m\u00fcssen erkennen, dass neue Wege beschritten werden m\u00fcssen.  Ein Blick zu anderen Interessensverb\u00e4nden lohnt sich: Der VdK (heute mit dem Zusatz \u201eder Sozialverband\u201c gef\u00fchrt, als \u201eVerband der Kriegsbesch\u00e4digten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands\u201c gegr\u00fcndet) hat in den vergangenen Dekaden einen ganz bemerkenswerten Wandel vollzogen und sich &#8211; zumindest ist das der Eindruck von au\u00dfen &#8211; mit neuem Image und neuer Ausrichtung erfolgreich nahezu neu erfunden.<\/p>\n\n\n\n<p> Was uns im BdV eint ist die Gewissheit, dass Vertreibung und Verschleppung in allen Facetten Unrecht und Verbrechen waren und sind. Unser Ziel muss es sein das unseren Landsleuten in der Vergangenheit widerfahrene Unrecht zu benennen und die Erinnerung daran lebendig zu halten. Dabei eint uns die Erkenntnis, dass totalitaristische Regime &#8211; egal ob nationalsozialistisch, kommunistisch, sozialistisch, politisch rechts oder links &#8211; solche Untaten erst erm\u00f6glicht haben und insofern das Heil der Vertriebenen und ihrer Nachkommen \u2013 aus historischer Erfahrung und Verantwortung \u2013 in der freiheitlich demokratischen Grundordnung und in einem Europa des Friedens und der Freiheit liegt. Insofern geht es um mehr als nur die Bewahrung von Kulturgut und Traditionen sowie die Pflege des Brauchtums fr\u00fcherer Generationen.<\/p>\n\n\n\n<p> Mir ist noch niemand in der jungen Generation im Bund der Vertriebenen begegnet, der die Zukunft unserer Arbeit im Erheben territorialer Anspr\u00fcche auf die ehemaligen deutschen Siedlungsgebiete  sieht. Die Frage stellt sich ja &#8211; wenn \u00fcberhaupt &#8211; ohnehin nur f\u00fcr bestimmte Landsmannschaften, deren urspr\u00fcngliche Siedlungsgebiete zun\u00e4chst Teil des Deutschen Reiches waren. Entsprechende Forderungen nach Wiederherstellung alter Staatsgrenzen und Geschichtsrevisionismus ist nicht nur inhaltlich realit\u00e4tsfremd und sorgt mit f\u00fcr das teils komplizierte Image unseres Verbands, sondern bringt uns auch in der Sache nicht weiter.<\/p>\n\n\n\n<p> In den letzten Jahrzehnten sind neue Aufgaben auf den Bund der Vertriebenen zugekommen:<\/p>\n\n\n\n<p> Die sogenannten Sp\u00e4taussiedler &#8211; zuvorderst aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion, aus Schlesien und Rum\u00e4nien &#8211; sind Teil der BdV-Familie. Die \u201eSoziale Frage\u201c dieser Bev\u00f6lkerungsgruppe nach Rentengerechtigkeit und Ber\u00fccksichtigung von Berufszeiten aus den Herkunftsl\u00e4ndern sowie die gesellschaftliche Integration dieser mehrere Millionen Menschen z\u00e4hlenden Bev\u00f6lkerungsgruppe sind unsere gemeinsame Aufgabe.<\/p>\n\n\n\n<p> Ein vereintes Europa mit offenen Grenzen erm\u00f6glicht dem Bund der Vertriebenen eine vertiefte Zusammenarbeit mit den deutschen Minderheiten im Ausland, vor allem in Ost- und S\u00fcdosteuropa. Der Bundesbeauftragte f\u00fcr Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Dr. Fabritius wirkt hier vorbildlich. Als Verband ist es unsere Aufgabe die deutschen Minderheiten in der Pflege ihrer Sprache und Kultur zu unterst\u00fctzen. Der Auf- und Ausbau  von deutschsprachigen Schulen in den entsprechenden Gebieten muss eine unserer wichtigsten Forderungen sein. In der Implementierung eines Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchls als Volksgruppe liegt der Schl\u00fcssel f\u00fcr den Fortbestand deutscher und deutschsprachiger Kultur in den Gebieten, aus denen Deutsche in den letzten Dekaden fliehen mussten, vertrieben wurden oder ausgesiedelt sind.<\/p>\n\n\n\n<p> In Gespr\u00e4chen wird man immer wieder gefragt, ob die Arbeit des Bundes der Vertriebenen noch zeitgem\u00e4\u00df ist und ob es sich nicht um einen aussterbenden Verband handelt. Unsere Existenz ist wichtiger denn je \u2013 unsere Aufgaben sind klar. Unsere Verantwortung f\u00fcr die Gesellschaft auch.<\/p>\n\n\n\n<p> Aber: Wir brauchen noch mehr  \u201efrischen Wind\u201c &#8211;  Fenster und T\u00fcren auf beim BdV!<\/p>\n\n\n\n<p> Tobias Meyer<\/p>\n\n\n\n<p> Der Verfasser wurde 1979 geboren und  ist seit April 2018 Vorsitzender des Landesverbands des Bundes der Vertriebenen in Rheinland-Pfalz<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 1997 hielt der damalige Bundespr\u00e4sident Herzog seine ber\u00fchmte \u201eRuckrede\u201c, in der er der deutschen Gesellschaft Mutlosigkeit und ein Gef\u00fchl der L\u00e4hmung attestierte. 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